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1
Einleitung
Es gibt aus
meiner Sicht verschiedene
Arten von Motorrad-Fahrern:
•
Sportler (Rennmaschine
oder mit der Enduro im Gelände)
•
Gemütliche "Schleicher"
• Tourenfahrer
• Cruiser
• ...
Für jeden
der genannten Fahrertypen
ist der Reiz des Fahrens etwas anders. Für mich ist die
Faszination
eine Kombination aus:
•
Naturerlebnis,
•
Freiheit,
• "Macht"
über die Technik,
• flotte
Fortbewegung,
• die Mischung
aus Fahrstuhl
(Beschleunigung) und Achterbahn (Kurvenspaß),
•
gemütliches Beisammensitzen
in der Pause (meistens fahre ich nicht alleine) und
Damit das Biken
auch wirklich
spaßig ist muß das Motorrad natürlich kontrolliert
(=sicher)
gefahren werden. Ich habe bei mir und anderen Fahranfängern eine
gewisse
Unsicherheit zu Beginn der "Motorrad-Karriere" bemerkt und versucht
durch
Lesen entsprechender Literatur und Übung mein Motorrad "in den
Griff"
zu bekommen.
Nachdem es kaum
vernünftige
Fachbücher zu diesem Thema gibt – ich habe zumindest nichts
gefunden
– möchte ich nachfolgend meine bis jetzt gesammelten Erkenntnisse
zum Besten geben. Es ist sozusagen eine Sammlung meiner selbst
begangenen
und bei anderen beobachteten Fehler.
2
Widmung
Diese Seite
widme ich meiner
Tochter Patricia.
Nach ihrer
Führerscheinprüfung
hatte sie 3 Jahre keine Gelegenheit Fahrpraxis zu sammeln.
So, hier kannst
du die Theorie
noch mal in Ruhe lesen – wenn du möchtest – und sie bei
Gelegenheit
ausprobieren. Gute Fahrt !
Auch allen
anderen Lesern
wünsche ich allseits gute Fahrt und viel Fahrspaß !
3
Allgemeine Tipps
Zwei Fehler
die viele leider
sehr häufig begehen sind, dass man sich auf dem Motorrad nach
einiger
Zeit unbewusst verkrampfe und dass man sich oft nicht auf das
Motorradfahren
selbst konzentriere. Da sind die Gedanken noch in der Firma oder schon
bei anderen Sachen. Deshalb ...................... Locker bleiben!
Der Lenker
muß nicht
super fest umklammert werden. Der Lenker dient nur zum Lenken. Also
locker
lassen und Kräfte sparen!
Die Bedienung
des Motorrads
geht nach einiger Übung quasi automatisch. Fast so wie die
Steuerung
von Herz und Lunge auch "unterbewußt" gesteuert wird. Das hat
aber
zur Folge, dass wir uns dann auch nicht mehr so auf den
Straßenverlauf
und mögliche Hindernisse konzentrieren und das ist gefährlich
!
Beim Autofahren
kann ich in
einer Gefahrensituation fast immer noch das Lenkrad irgendwie
"herumreißen",
beim Motorrad ist eine so schnelle Richtungsänderung nicht
möglich
(Kreiselkräfte, notwendige Schräglage ...) oder zumindest
sehr
schwierig. Deshalb ist die Konzentration auf das Motorradfahren das A
und
O!
4
Warum fällt ein fahrendes Motorrad nicht um ?
Ein fahrendes
Motorrad fällt
nicht um – normalerweise zumindest. Warum ?
Das ist relativ
einfach zu
erklären (und zu verstehen):
4.1Die
Schwerkraft – allgemeine Theorie
Solange eine
Verbindungslinie
vom Fußboden (senkrecht) hinauf zum Mittelpunkt eines
Körpers
(=Schwerpunkt) durch die Auflagefläche des Körpers
läuft,
steht der Körper stabil – ohne Neigung umzukippen.
Beim Mensch
ist der Schwerpunkt
etwas oberhalb vom Bauchnabel und die Auflagefläche ist die
Fläche
der Füße und die zwischen den Füßen.
Bild 1 –
stabil stehender Mensch:
Wenn wir uns
zur Seite neigen
verschiebt sich unser Schwerpunkt in diese Richtung. Sobald die
Verbindungslinie
Schwerpunkt <=> Fußboden nicht mehr durch die
Auflagefläche
des Körpers läuft, kippen wir zu dieser Seite und fallen um.
Bild
2 – fallender
Mensch:
4.2Biker
sind Artisten
So lange unser
Motorrad also
absolut gerade steht (und absolut gleichmäßig bepackt) ist
kann
das Motorrad nicht kippen. Wenn wir uns darauf setzen, so müssen
wir
durch Gewichtsverlagerung dafür sorgen, dass der Gesamtschwerpunkt
von Motorrad, Gepäck und Mensch sich exakt oberhalb der
Auflagefläche
der Reifen befindet. Bei der kleinen Auflagefläche (siehe Bild 3)
ist das auf längere Zeit fast unmöglich - wir sind ja keine
Artisten!
Bild
3 – Balanceakt auf dem Motorrad:
4.3 Von
der Theorie zur Praxis (zurück zum Motorrad)
Glücklicherweise
helfen
uns aber die Kreiselkräfte sobald wir fahren (ich meine nicht
langsames
rollen). Diese Kreiselkräfte entstehen durch die Drehung der
Räder.
Wahrscheinlich
hat jeder von
uns als Kind schon einmal mit einem Kreisel gespielt und dabei
beobachtet,
dass der Kreisel stabil auf einem winzigen Auflagepunkt stehen kann –
aber
nur so lange er genügend Drehung hat. Bei unserem Motorrad
funktioniert
das genauso wie beim Kreisel:
Weil wir nie
absolut exakt
balancieren (und damit exakt über den Rädern sitzen) tendiert
das Motorrad zum kippen (die Schwerkraft zieht das Motorrad am
Schwerpunkt
zum Boden). Die Kreiselkräfte wirken der Lageänderung stets
entgegen
und halten das Rad in seiner Position (senkrecht über dem Boden)
und
deshalb kippt das Motorrad während der Fahrt nicht um!
Bild
4 – Schwerkraft und Kreiselkräfte:
So lange wir
mit unserem Motorrad
schnell genug fahren sind die Kreiselkräfte stark genug, dass das
Motorrad nicht umfallen kann. Deshalb ist es auf einem fahrenden
Motorrad
möglich die Hände vom Lenker zu nehmen oder sogar
Turnübungen
auszuführen (bitte beides nicht ausprobieren !).
Das ist auch der
Grund warum
das Lenken (drehen des Lenkers) bei niedriger Geschwindigkeit viel
weniger
Kraftaufwand erfordert als bei hoher Geschwindigkeit.
5
Wie wird ein Motorrad gelenkt ?
Die meisten
Biker glauben,
dass der Lenker auf der Innenseite der Kurve nach unten gedrückt
werden
muss um das Motorrad in Schräglage zu bringen. Das ist aber falsch
!
Gelenkt wird
(außer
beim langsamen Rollen) indem der Lenker beim Einfahren in die Kurve
etwas
entgegen (Achtung das ist kein Witz!) der Fahrtrichtung bewegt wird.
Dadurch
verschiebt sich die Auflagefläche des Vorderrades. Die
Verschiebung
der Auflagefläche bewirkt, dass der Schwerpunkt nicht mehr exakt
über
der Auflagefläche liegt und das Motorrad daraufhin zur
Kurveninnenseite
kippt.
Ein Teil der
Kraft, die beim
vermeintlichen Herunterdrücken des Lenkers (siehe 1. Abschnitt
dieses
Kapitels) aufgewendet wird, bewirkt eine leichte Drehung des Lenkers
(der
Fahrer drückt ja nicht senkrecht sondern schräg nach unten).
Der Rest der Kraft wird vergeudet indem gegen die Kreiselkräfte
der
Räder gearbeitet wird.
• Lenker nach
rechts à
Auflagefläche wandert nach rechts à Motorrad kippt nach
links
• Lenker nach
links à
Auflagefläche wandert nach links à Motorrad kippt nach
rechts
6
Fahren in der Kurve
6.1
Die Angst vor der Kurve
Die
größte Angst
vor der Kurve entsteht durch den Gedanken:
"Wenn ich so
schnell fahre,
dann muss ich mich ja soooo weit in die Kurve legen und dann zieht es
mir
bestimmt die Räder weg oder ich könnte umkippen. In beiden
Fällen
würde ich dann stürzen und was da alles passieren kann ..."
Das
könnte so passieren
– meistens passiert es aber nicht, denn durchschnittliche
Motorradfahrer
nutzen die Sicherheitsreserven nie aus und die Physik hilft uns (auch
denjenigen,
die Physik in der Schule nicht leiden konnten) wie wir nachfolgend
sehen!
6.2
Schräglage
Die Kunst ist
den Lenker so
weit zu verdrehen, dass ein Gleichgewicht zwischen den
Fliehkräften
und der Schwerkraft entsteht:
• Die
Fliehkraft versucht
in der Kurve das Motorrad nach außen zu drücken
während
• die
Schwerkraft das "kippende"
Motorrad zur Kurveninnenseite zieht.
Je weiter der
Lenker gedreht
wird desto mehr kippt das Motorrad und desto schneller kann/muss die
Kurve
gefahren werden.
Je schneller
der Fahrer in
der Kurve ist, desto höher ist die Fliehkraft desto mehr
Schräglage
(und damit Schwerkraft) muss entgegenwirken.
Bild 5 –
Schwerkraft und
Fliehkraft:
Wer also
Angst hat, dass das
Motorrad kippt, der muß nur etwas mehr Gas geben und die
größer
werdende Fliehkraft sorgt dafür, dass er nicht umkippt.
Zu jeder
Geschwindigkeit gibt
es also die passende Schräglage – solange die Räder nur genug
Bodenhaftung haben.
6.3 Bodenhaftung
Damit uns bei
der gewählten
Schräglage die Reifen nicht wegrutschen, ist ein gewisses
Maß
Bodenhaftung (=Grip) notwendig. Der verfügbare Grip hängt von
vielen Faktoren ab:
1.
Zustand der Fahrbahn
(neuer/alter Belag, saubere/verschmutzte/ebene/unebene/ trockene/nasse
Oberfläche)
2.
Qualität der Reifen
3.
Temperatur der Reifen
4.
Reifenbreite
5.
Reifenprofil
6.
Neureifen
7.
Gewichtsverteilung auf
dem Motorrad
Zu 1. bis 3.
möchte ich an
dieser Stelle nicht näher eingehen weil es selbstverständlich
sein dürfte, dass eine nasse und verschmutzte Strasse weniger Grip
bietet als eine saubere und trockene. Dass Qualtitätsreifen besser
sind als Noname-Billigprodukte aus dem Baumarkt ist wohl auch klar.
Ebenfalls
dass Reifen erst mal auf Betriebstemperatur gebracht werden müssen.
Zu 4. Je
breiter ein Reifen
ist, desto größer ist seine Auflagefläche und damit der
Grip.
Zu 5. Je
glatter der Reifen
ist, desto größer ist seine Auflagefläche und damit der
Grip.
Zu 6. Achtung
bei Neureifen!
Diese haben ab Werk eine Schutzschicht, die den Reifen vor Alterung
schützen
soll. Leider ist die Schutzschicht sehr rutschig. Du wärst nicht
der
erste, der sein Bike an der Ausfahrt vom Reifenhändler ablegt.
Zu 7. Je
höher das Gewicht
ist, das der einzelne Reifen tragen muss, desto höher sind die
Fliehkräfte,
die auf den Reifen wirken. Ziel muss es also sein das Gewicht auf alle
Reifen möglichst gleich zu verteilen bzw. etwas mehr Gewicht nach
hinten zu verlagern weil dort der breitere Reifen montiert ist.
6.4 Gewichtsverteilung
6.4.1
Ausgangssituation
Die
Motorräder sind so
konstruiert, dass das Gewicht des Motorrades mit Fahrer zu (mehr als)
50%
auf dem Vorderrad (Motor, Getriebe, Fahrer nach vorne gebeugt und am
Lenker
abstützend ...) lastet.
Bild 6 –
Gewichtsverteilung bei konstanter
Geschwindigkeit:
Im
Grenzbereich (in der Schräglage)
ist die Tendenz zum Ausbrechen (=Wegrutschen) beim Vorderreifen
größer,
denn:
• der
Vorderreifen muss mehr
Gewicht tragen als der Hinterreifen und
• der Reifen am
Hinterrad
ist breiter, damit ist die Auflagefläche größer und
deshalb
der Grip am Hinterrad besser.
6.4.2 Ziel
Das Gewicht
muss also so umverteilt
werden, dass auf dem Hinterrad etwas mehr Gewicht liegt als auf dem
Vorderrad.
6.4.3 Lösung
Jetzt kommt
die Hilfe von
der Physik:
Jede Masse hat
eine gewisse
Trägheit. Hier meine ich nicht meine Wampe sondern wenn wir mit
unserem
Motorrad beschleunigen, dann geht das Motorrad vorne etwas hoch und der
Schwerpunkt wandert nach hinten (im Extremfall hat das Vorderrad keinen
Bodenkontakt mehr = Wheelie).
Bild 7 –
Gewichtsverteilung bei starken
Beschleunigen:
Praxis:
Wenn wir in der
Kurve etwas
beschleunigen (nicht zu viel und nicht zu wenig), dann wandert der
Schwerpunkt
leicht nach hinten wodurch beide Reifen gleich viel Haftung erhalten !
Bild
8 – Richtige Gewichtsverteilung durch etwas Beschleunigen:
6.5 Am
besten ist es also
Du wirst vor
der Kurve so
langsam, dass du vom Anfang der Kurve bis zu deren Ende mit etwas
Beschleunigung
fahren kannst.
6.6 Bitte
vermeiden
Bitte nicht in
der Kurve plötzlich
vom Gas gehen oder sogar bremsen.
Denn wer
weiter oben aufgepasst
hat, der weiß, dass dann die Fliehkräfte plötzlich
nachlassen
und dann die Schwerkraft (die uns ja nach innen zieht) keinen Gegenpart
mehr hat à das Motorrad wird wackelig.
6.7
Was oft passiert
Die Kurve ist
unübersichtlich
und der Radius wird plötzlich enger à vor lauter Schrecken
greifen wir voll zur Bremse à das Vorderrad blockiert à
ein
Organspender mehr J.
Besser
wäre mehr Schräglage
zu wählen. Das kostet zwar Überwindung ist aber meist
möglich.
Alternativ kannst du die Maschine auch nach unten drücken und
selber
in der aktuellen Sitzposition verweilen (siehe Abschnitt Drücken).
Zur Not leicht
bremsen aber
wirklich nur zur Not ! Ansonsten sollte eher ein "Notausgang" (=Ausritt
ins Gelände) gesucht werden.
6.8 Zusammenfassung
• Die
Fliehkraft sorgt dafür,
dass wir nicht umkippen.
• Die
Geschwindigkeit vor
der Kurve anpassen.
• In der Kurve
konstant beschleunigen
damit die Gewichtsverteilung stimmt.
7
Sitzposition während der Kurvenfahrt
Prinzipiell
gibt es 4 Arten
durch eine Kurve zu fahren:
1.
Normale Position
(Körper und Maschine bilden eine Linie)
2. Legen (der
Fahrer ist stärker
zum Boden geneigt als das Motorrad)
3.
Drücken (das Motorrad
ist stärker zum Boden geneigt als der Fahrer)
4. Hang off
(der Fahrer hängt
neben der Maschine)
7.1
Normale Sitzposition
Die normale
Position bei der
Kurvenfahrt ist:
Körper
und Maschine bilden
eine Linie.
7.2 Legen
Beim Legen ist
der Fahrer
stärker zum Boden geneigt als das Motorrad. Das wird meist von
Fahranfängern
praktiziert weil sie es nicht schaffen (oder sich nicht trauen) das
Bike
selbst in die gleiche Schräglage zu bringen. Durch die
Körperverlagerung
wandert der Schwerpunkt des Fahrers zur Kurveninnenseite und wirkt
somit
der Schwerkraft entgegen. Besser wäre es jedoch das Motorrad auch
in die gleiche Schräglage wie den Oberkörper zu bringen.
7.3
Drücken
Das
Drücken (das Motorrad
ist stärker zum Boden geneigt als der Fahrer) wird oft von
Endurofahrern
praktiziert. Es hat nämlich den Vorteil, daß das Gewicht
mehr
senkrecht zur Straße und nicht seitlich zur Straße
drückt.
Die Reifen haften also etwas besser und das hilft den Endurofahrern mit
ihren Stollenreifen, die durch das Stollenprofil eine kleine
Auflagefläche
(und damit weniger Grip) haben.
Drücken
ist auch dann
angebracht, wenn du merkst, dass du zu schnell für die Kurve bist
und dich nicht weiter in die Kurve reinlegen möchtest. Dann
drücke
das Motorrad einfach etwas nach unten das hilft !
7.4
Hang off
Beim "Hang
off" hängt
der Fahrer neben der Maschine. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt
sehr stark zur Kurveninnenseite.
Vorteil: Das
Motorrad muß
nicht so weit in Schräglage gebracht werden weil der Fahrer ja so
weit raushängt. Dadurch kann die Kurve mit wesentlich
größerer
Geschwindigkeit gefahren werden.
Nachteil:
Muß die Fahrtrichtung
spontan geändert werden, dann hat der Fahrer das Problem,
daß
er sich sehr schnell von der einen Seite vom Motorrad zur anderen
begeben
muß. Das kostet Zeit und ist aus meiner Sicht im normalen
Straßenverkehr
weniger angebracht. Für Rennstrecken jedoch ist das super !
8
Der Weg durch die Kurve
8.1 Mögliche
Wege
Es gibt
(theoretisch) mehrere
Arten durch die Kurve zu fahren:
•
von außen
nach innen
• von innen
nach außen
• innen
bleiben
•
außen bleiben
•
schneiden
8.2 Kurven
schneiden
Schneiden ist
erstens nicht
erlaubt (wo kein Kläger da kein Richter) und zweitens (was noch
wichtiger
ist) macht es keinen Spaß:
erst in die
Alpen fahren (hoffentlich
ist die Anfahrt recht weit J ) um möglichst viele Kurven zu fahren
und diese dann einfach schneiden? Dann kannst du das auch lassen und
die
Autobahn genießen.
8.3 Der
richtige Weg
Letztendlich
bin ich der Meinung,
dass ein möglichst großer Kurvenradius die wenigste
Schräglage
erfordert und damit am sichersten ist. Deshalb versuche ich die Kurven
möglichst weit außen anzufahren um dann innerhalb meiner
Fahrspur
(!) möglichst weit außen zu verweilen.
Übrigens:
je schneller
du lenkst, desto schneller geht das Motorrad in Schräglage. Das
bedeutet,
dass du dich insgesamt nicht ganz so weit reinlegen musst oder
andersherum
mehr Dampf machen kannst.
8.4 So
nicht!
Folgende
Möglichkeit
durch die Kurve zu "fahren" gibt es auch (nicht wahr Yve ?) aber die
bringt
es nicht wirklich. Schilderung (nur leicht übertrieben):
Bild
9 – so ist es falsch
!
Beim Punkt A
wird die Maschine
leicht geneigt (weiter wäre wirklich zu riskant J ) um dann nach
einer
kleinen Mini-Kurve möglichst gerade weiter zu fahren. Geradeaus
ist
ja nicht so gefährlich wie Schräglage.
Beim Punkt B
merkst du dann,
dass du die Kurve so nicht schaffen wirst und die Straße am Ende
der Kurve nicht breit genug ist. So entschließt du dich (in
leichter
Panik) doch wieder in Schräglage zu gehen. Jetzt muß die
Schräglage
nur viel stärker werden, als wenn diese von Anfang an beibehalten
worden wäre. Dadurch steigt der Adrenalinpegel so richtig
schön.
Das permanente
in die Kurve
Legen und wieder Aufrichten (jeweils bei den Punkten A und B) bringen
außerdem
viel Unruhe in das Fahrwerk und beschäftigen den Fahrer so sehr,
dass
er nicht gerade Selbstvertrauen gewinnt.
Das führt
dazu, dass
die nächste Kurve noch zögerlicher angefahren wird, weil
diese
ja schon so gefährlich (siehe Punkt B) war, bis irgendwann das
Motorrad
um die Kurve getragen wird.
9
Rollsplitt
Wenn in der
Kurve Rollsplitt
oder sonstiger Dreck liegt erzeugt das meist einen kurzen aber
kräftigen
Adrenalinschub.
Was passiert:
Die Bodenhaftung
lässt
nach und das Rad rutscht nach außen wodurch der Fahrer zur
Straßeninnenseite
kippt.
9.1 Kleine
Fläche
Wer hier
kühlen Kopf
behält und nicht bremst gewinnt ! Denn wie schon erwähnt
haben
wir Normalfahrer üblicherweise noch so viel Sicherheits-Reserve,
dass
ein Sturz wenig wahrscheinlicht ist und außerdem helfen uns die
Fliehkräfte,
dass wir nicht komplett wegkippen.
9.2 Große
und/oder tiefe Fläche
Hier gibt es
nur folgende
Möglichkeit:
Maschine
aufrichten, dann
Vollbremsung (vor dem Rollsplitt), anschließend Fuß der
Kurveninnenseite
auf den Boden, etwas Schräglage und hoffen dass das es reicht
sonst
Ausritt ins Gelände.
10
Blicktechnik
10.1
Hindernisse
Ich habe
festgestellt, dass
ich meistens Punkte anfahre, die ich mit meinem Auge fixiere:
à
Hindernisse nicht
anfixieren (es sei denn du möchtest ein neues Motorrad kaufen)
10.2 Blickweite
Wenn du nur
ganz wenig nach
vorne schaust dann gibt es folgende Probleme:
10.2.1 Hindernisse
Du siehst nur
einen kleinen
Ausschnitt deiner Fahrstrecke. Richtungsänderungen und Hindernisse
werden daher später erkannt weil ja der Streckenabschnitt mit der
Richtungsänderung oder dem Hindernis erst später im Blickfeld
erscheint. à Du hast wenig Strecke um auf diese
Richtungsänderung
zu reagieren à du musst also sehr langsam fahren oder sehr
schnell
reagieren à du bist unsicher, weil du ja nicht weißt wie
der
weitere Streckenverlauf ist.
Bild 10
– wenig vorausschauendes Fahren (1. Station)
Bild
11 – nach ein paar Metern. Oh ein Hindernis !
Bild
12 - bei korrektem (weitem) Blick hättest du das schon viel
früher
gewußt !
10.2.2 Naturerlebnis
Wenn wir uns
ganz stark auf
die Strecke direkt vor uns konzentrieren, dann geht automatisch der
Kopf
nach unten. Wir haben also gar nicht die Möglichkeit die Natur,
durch
die wir fahren, zu genießen.
10.2.3
Streckenführung
Wenn wir nur
wenig vorausblicken,
dann besteht eine Kurve aus vielen kleinen Teilsegmenten weil wir uns
für
jedes Segment einen Punkt auf der Straße suchen, den wir
anfixieren
(=Fixpunkt) und seltsamerweise diesen Fixpunkt auch anfahren. Irgendwie
fährt nämlich das Motorrad immer dorthin wo unser Blick es
hinführt.
Wenn wir also lauter Teilsegmente wählen gibt es bei jedem Segment
eine Ecke an dem wir uns dann wieder den nächsten Fixpunkt suchen.
à Die Strecke wird "eckig" und wir werden nervös weil das
Motorrad
wackelt und nicht satt (=ruhig) auf der Straße liegt.
Bild 13
– Wackelkurs mit vielen
Fixpunkten:
Wenn ich aber
einen "weiten
Blick" habe fällt der Weg weicher aus weil die Ecken fehlen und
somit
haben wir ein ruhigeres Fahrwerk und damit mehr Vertrauen zu unserer
Maschine.

Bild 14
– stabile Kurvenlage durch nur einen einzigen Fixpunkt (=Kurvenende):
10.3
Blick beim Fahren in der Gruppe
Richte deinen
Blick nicht
auf den direkt vor dir fahrenden Vordermann (Reifen oder Bremslicht),
weil
der meistens zu dicht vor dir herfährt und dir den Blick auf die
Strecke
nimmt à Abstand halten und leicht versetzt fahren.
11
Bremsen
Beim Bremsen
verschiebt sich
der Schwerpunkt aufgrund der Massenträgheit nach vorne:
Bild
15 – Gewichtsverteilung beim Bremsen:
Aus diesem
Grund ist die Bremsleistung
der Vorderradbremse viel größer als die der Hinterradbremse.
11.1
Blockierendes Hinterrad
Wenn das
Hinterrad blockiert
fängt es an zu "tanzen". Es bricht nämlich zu einer Seite
aus.
Wenn du die Bremse los lässt, dann fängt sich das Motorrad
wieder
und alles wird gut !
11.2
Blockierendes Vorderrad
Ein
blockierendes Vorderrad
ist hingegen fast gleichbedeutend mit einem Sturz. Dies gilt umso mehr
wenn du in Schräglage bist. Wenn das Vorderrad blockiert also
unbedingt
sofort wieder nachgeben.
11.3
Bremsen in der Kurve
Wenn in der
Kurve mit dem
Vorderrad gebremst wird drückt die Masse des Motorrads aufgrund
der
Trägheit gegen die Gabel à das Motorrad stellt sich auf.
Wenn in einer
Kurve unbedingt
gebremst werden muss (z. B. in einer Serpentine bergab) dann verwende
dafür
besser die Hinterradbremse.
11.4 Schlussfolgerung
Ziel ist
möglichst beide
Bremsen so schnell und so stark wie möglich bis nahe an die
Blockiergrenze
zu betätigen um möglichst wenig potentiellen Bremsweg zu
verschenken.
Die Bremsen sollte dabei nie ruckartig betätigt werden sonst
neigen
sie eher zum blockieren.
Bitte nicht
erst mal nur lasch
bremsen um zu sehen ob es reicht und gegebenenfalls dann doch
stärker
bremsen. Dann verschenkst du immer ein paar Meter !
Solltest du
Probleme mit der
Hinterradbremse haben weil sie zu leicht blockiert, dann lasse sie
lieber
weg und verwende nur die Vorderradbremse.
Wenn in einer
Kurve unbedingt
gebremst werden muss (z. B. in einer Serpentine bergab) dann verwende
dafür
besser die Hinterradbremse.
12
Anfahren
Beim Anfahren
und bei Schrittgeschwindigkeit
rollt das Motorrad anfangs nur. Die Kreiselkräfte der Räder
sind
noch nicht so groß, dass das Motorrad sich selbst
stabilisiert.
Deshalb
muß "ordentlich
Gas" beim Anfahren schon sein um möglichst schnell in den stabilen
Fahrbetrieb zu gelangen.
Beim Anfahren
und bei Schrittgeschwindigkeit
wird übrigens auch anders gelenkt als beim normalen Fahren:
Die Lenkung
funktioniert beim
langsamen Rollen wie beim Auto à Lenker links Motorrad rollt
nach
links und Lenker nach rechts à Motorrad rollt nach rechts.
13
Sturz
Wer noch nie
gestürzt
ist, der ist noch nie gefahren oder hat nicht alles gegeben! So nun
aber
mal ernsthaft:
Bei einem Sturz
ist es wichtig,
sich so schnell wie möglich vom Bike zu lösen. Die Masse des
Bikes ist größer als deine und deshalb würde es dich
sonst
entsprechend weiter ziehen als deine Rutschpartie alleine dauert.
Außerdem
besteht die Gefahr, dass dich das Motorrad unter sich begräbt.
Je kürzer
die Schleiferei
auf dem Boden desto eher ist die Chance, dass du keinen Kontakt mit der
Leitplanke oder anderen Hindernissen bekommst und desto eher hält
auch die Kombi stand – bevor es an deine Haut geht.
14
Bekleidung
Wer sich
keine ordentliche
Kombi (Leder oder Textil) mit Protektoren leisten kann, der soll das
Motorradfahren
lassen!
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